Unsere Schreibhainkollegin und Autorin Julia Christ bloggt live aus Idomeni Teil IV

Fotografin Julia Christ
Fotografin Julia Christ

Idomeni, 22. – 24.  Mai 2016

„Einst sah Jupiter dieses wunderschöne Mädchen und er beschloss, brennend vor Liebe, auf die Erde hinunter zu steigen, um Europa näher zu sein. Europa aber und ihre Freundinnen waren zur Küste gegangen…“
Wieder einmal hat die Polizei mich die Brücke nach Idomeni nicht passieren lassen. Wieder einmal mit anderen Argumenten. Vorherige Woche hieß es, es sei militärische Sperrzone. Jetzt gehöre ich nicht zur richtigen Organisation. Die griechischen Behörden ziehen demnach ihren Fünf-Punkte-Plan durch. Erst schränken sie den Zugang für Ehrenamtliche ein, dann den für die Presse. Wurde die Demokratie nicht in Griechenland erfunden? Und was ist mit Europa, dem dunklen, dunklen Land? Was ist aus dem bildschönen Mädchen geworden, in das sich Jupiter einst verliebte?
Tatsächlich werden schon in den Tagen zuvor einige der Gruppen, die die Menschen mit Nahrungsmittel versorgen, nicht nach Idomeni gelassen. Die Räumung wird vorbereitet. Das Wundpflaster wird langsam abgezogen. Als würden wir das nicht merken. Schließlich dürfen nur noch sechs NGOs mit jeweils fünf Mitarbeitern und zwei kleinere Hilfstruppen das Areal betreten, um die über 8.000 Menschen medizinisch sowie mit Essen und Trinken zu versorgen. Der Großteil der Flüchtlinge sind Familien, darunter viele Babies und Kleinkinder. Zeitweilig sperren die Behörden auch das Wasser ab. Die Presse und die meisten freiwilligen Helfer müssen draußen bleiben. Wer trotzdem noch da, wird von Zivilfahndern aufgespürt und herauskomplementiert. Kurzfristige Verhaftungen werden androht und durchgeführt.
Auch Sou, die sich selbst als Traveller und Aktivistin bezeichnet und ihren richtigen Namen nicht veröffentlicht haben will, wird verhaftet. Drei Tage hält sich die ehrenamtliche Helferin bei ihren syrischen Freunden in Idomeni versteckt. Zur Tarnung trägt die Berlinerin mit dem blonden Haar einen Hijab. „Ich wollte in den letzten Tagen einfach nur da sein für die Familie“, sagt sie. „Ich wollte sie noch eine Zeitlang begleiten, bevor sie ins Militärlager und wir uns verabschieden müssen.“
Eko Gas Station bei Polykastro, 25. Mai 2016
Ein paar Menschen sammeln sich an der Einfahrt einer Autobahn-Tankstelle und diskutieren aufgeregt auf Kurdisch und Arabisch. Zum wiederholten Male stehen Polizeiwagen und ein leerer Militärbus direkt neben dem improvisiertem Flüchtlingslager an Eko-Tankstelle. Die Beamten stehen neben ihren Dienstwagen, unterhalten sich in aller Seelenruhe miteinander, ignorieren die aufgebrachten Menschen, die nur wenige Meter von ihnen entfernt stehen. Einer der Polizisten schlürft Kaffee aus einem Pappbecher.  „Was wollen die? Es ist doch nichts passiert“, sagt Ela, die junge Kurdin. Sie ist sichtlich verunsichert. Doch weder sie noch die Anderen trauen sich die Beamten anzusprechen und zu fragen. Gleichzeitig kreisen seit Tagen Drohnen über die Tankstelle an der E 75.
Als wir auf die Beamten zugehen und nachfragen, wiegeln sie ab. „Reine Routine. Wir kontrollieren nur die Autos“, sagt der eine. Es ist Mittwoch, der zweite Tag der dreitägigen Räumung von Idomeni, das etwa 15 Kilometer von Tankstelle entfernt liegt. „Und warum erklären Sie das den Leuten nicht? Die Menschen haben Angst.“  Der Polizist zuckt mit den Schultern. „Keine Zeit“, erwidert er. „Sagen Sie das denen doch!“ Dann dreht er sich wieder um. Wir gehen zurück zu Ela, berichten, was die Polizisten sagt haben. Und fügen hinzu, dass das Zentrum an der Eko-Tankstelle wahrscheinlich auch bald geräumt werden wird.  Wenige Tage später verkündet der stellvertretende Minister für Zivilschutz, Nikos Toskas in einen Radiointerview, dass das Zentrum an der Tankstelle in wenigen Tagen evakuiert werden wird. „Und was ist, wenn wir nicht wegwollen?“, fragt Ela. Die Skepsis der jungen Frau ist verständlich. Spätestens seit immer mehr Berichte von Flüchtlingen und freiwilligen Helfern darüber auftauchen, in welch verheerendem Zustand sich die offiziellen, vom Militär verwalteten Sammelunterkünfte befinden.
„Ich kann meine Wut und mein Entsetzen kaum in Worte fassen“, sagt Sainab, eine freiwillige Helferin aus London. Sie hat gerade eines der „neuen“ Militärlager besucht –  Softex in der Nähe der Hafenstadt Thessaloniki. „Idomenis uglier, dirtier little brother“, nennt die Engländerin das Auffanglager. Sie selbst musste als als Kind aus Somalia flüchten. „Es gibt keine Duschen und nur ein paar wenige Toilettenkabinen für mehr als 1000 Leute“ In den vergangenen Tagen ist es heiß im Norden von Griechenland mit Temperaturen um die 30 Grad. „ Und die Flüchtlingen konnten seit vier Tagen nicht duschen.“ Zudem habe es drei Tage lang keinen Strom gegeben und das Essen sei schlechter als das, was man im Gefängnis bekomme. Eine syrische Mutter erzählt ihr, sie würde lieber schnell in ihrem Heimatland sterben, als hier so lange leiden zu müssen. Sanaib kommen unter ihrer Sonnenbrille die Tränen.
Viele der neuen Unterkünfte liegen fernab auf dem Land oder in entlegenen Fabrikhallen – ohne Infrastruktur. Eine andere Helferin berichtet von einem Camp, in dem die Menschen mehr als zwei Stunden auf den Notarzt warten mussten. Medizinische Versorgung gibt es in diesen Massenunterkünften nicht.  Ähnliches berichtet mir mein syrischer Freund Ali, der mit seiner Familie in wieder ein anderes Lager gebracht wurde. Er schickt mir Fotos von schmutzigen Zelten auf nacktem Betonboden in einer alten Fabrikhalle. Ich verstehe nicht ganz, bis ich ihn nach Wasser und sanitären Anlegen frage. „Ya, just tent, no water, nothing“, antwortet er. Ich bin fassungslos. Haben sie die Menschen tatsächlich in eine leere, entlegene Halle gebracht ohne irgendetwas außer abgenutzten Zelten bereitzustellen?
Angeblich sollen ein paar wenige Unterkünfte etwas besser ausgestattet sein. Ich stelle einige Tage später einen schriftlichen Antrag auf einen Besuch als Journalistin. Keine Chance. Nach zwei Tagen bekomme ich einen Negativbescheid für drei Camps. Sie seien momentan noch nicht ordentlich organisiert, daher dürfe ich sie noch nicht besuchen. Auf die Erlaubnis für die vierte Unterkunft warte ich noch immer.
Idomeni , 26. Mai 2016
Fotograf Ali-m Daas
Fotograf Ali-m Daas

Letzter Tag der Räumung. Sou hilft  ihren Freunden beim Packen. Trägt Tasche für Tasche in den großen Militärbus. Erst kurz vor Schluss wird ein Polizist auf sie aufmerksam, fragt nach sie ihren Personalien. „She is family“, ruft ihre Gastmutter dem Mann zu. Sou reagiert gar nicht, sondern packt in aller Ruhe das letzte Gepäckstück in den Bus, dann umarmt sie ihre syrischen Freunde zum letzten Mal. Sie weint. Erst dann wendet sie sich dem Beamten zu, und lässt sich abführen.

Sou wird aufs Polizeipräsidium gebracht. Sie sieht, dass drei andere Ehrenamtliche ebenfalls auf der Station festgehalten sind. Später erfährt sie, dass die griechischen Beamten ihnen die  Handys abgenommen und erst drei Stunden später zurückgegeben haben. Die Berlinerin versteckt die Speicherkarte in ihrem BH. Ihr Handy darf sie behalten. Im Verhörraum will der Polizeibeamte wissen, wie, mit wem und mit welcher Organisation sie nach Griechenland gekommen sei. Wer der Verantwortliche ist. Sou sagt, dass sie ein „independent volunteer“ sei und auf eigene Verantwortung agiere. Der Polizist glaubt ihr nicht, er will Namen und Adressen wissen. Auch die von ihrem alten Arbeitgeber in Berlin und ihren Eltern. „Das muss ich Ihnen nicht alles sagen“, sagt sie. Der Beamte hebt den Ton, er schreit fast: „Wenn ich Sie frage, haben Sie zu antworten. Sie werden mir jetzt Namen nennen!“ Irgendwann geht er aus dem Raum. Der nächste Polizist kommt herein. Stellt exakt dieselben Fragen und ist auffallend freundlich dabei. Bad cop, good cop, denkt Sou. Der Beamte verlässt den Raum, der nächste kommt herein, stellt haargenau dieselben Fragen, diesmal ganz sachlich. Die Berlinerin kommt sich vor wie in einem schlechten Hollywoodfilm. Eineinhalb Stunden später darf sie gehen.
Polykastro/Thessaloniki/Polykastro,  27. Mai bis 4. Juni 2016
Ein paar Tage bin ich außer Gefecht gesetzt. Ich möchte mit meiner neuen Kooperationspartnerin und ihrer griechisch-amerikanischen Familie abends in Thessaloniki ausgehen. Nach dem Kirchgang – meine neuen Bekannten sind Baptisten und der Vater Pfarrer –  werde ich krank. Unfähig zu irgendeiner Aktion außer Schlafen und Wasser trinken verbringe ich zwei Tage und Nächte im Gästebett einer, mir fast fremden Familie. Mir geht es schlecht und doch bin ich dankbar. Dankbar nicht einer verschmutzten Fabrikhalle ohne Wasser und Toiletten malade sein zu müssen.
Wieder zurück in Polykastro bin ich erleichtert, dass das improvisierte Lager an der E 75 noch nicht zwangsgeräumt ist, wie von den Politikern angekündigt. Meine Freundin aus Aleppo sagt, dass ich sie mich vermisst habe: „You are my best friend.“  Ich merke, dass es schön ist, vermisst zu werden. Dann kommt das Gewitter. Das vieles reinigt, Neues entzündet und alte Sehnsüchte aus dem Dornröschenschlaf küsst.
Wenige Stunden bevor es donnert, passiert es. Wenige Stunden, bevor zum ersten Mal in meiner Anwesenheit jemand das Klavier im Park Hotel dazu nutzt, um eine Melodie darauf zu spielen. Anstatt auf irgendwelchen Tasten herumzuhauen.
Das Bild am am Horizont wandelt sich. Der Himmel trägt sämtliche Nuancen von Hellblau bis Anthrazitgrau. Wolken türmen sich auf, sie sehen aus wie die aufgeblasenen Backen der Engel von Raffael. Sanft fächert sich die Abendsonne hindurch.
Für den Bruchteil einer Sekunde blicke ich ihm zu lange in die Augen. Wir kennen uns. Flüchtig. Ich weiß noch, dass er sich nie meinen Namen merken wollte. Dass mich das ein bisschen geärgert hat. In diesem Augenblick ist das egal. Er strahlt mich an. Ich strahle zurück. Smalltalk. Ich habe keine Zeit. Gar keine Zeit. Aber dieser Moment ist schön, und dieser Mensch ist schön. In genau diesem Augenblick. Ich bin im Jetzt angekommen. Der Raum, den ich betrete, ist sonnendurchflutet. Und die schwere Tür der Vergangenheit fällt hinter mir zu. Endlich. Eine fast schlaflose Nacht noch schwebe ich ein paar Zentimeter über dem Boden. Und dann falle ich wieder zurück auf die Erde.

Unsere Schreibhainkollegin und Autorin Julia Christ bloggt live aus Idomeni Teil III

28. April bis 14. Mai 2016
Polikastro
Foto von Julia Christ - Autorin & Schreibhaindozentin
Foto von Julia Christ – Autorin & Schreibhaindozentin

In einer der nächsten Nächte werde ich von einem Ungeheuer geweckt. Es schnaubt, ächzt und röhrt. Unweigerlich kommt es näher, wird lauter. Schließlich rumpelt und klirrt es, saugt Blech, Plastik, Glas und Essensreste in seinen Schlund. Die Müllabfuhr. Nur wenige Stoffschichten trennen mich noch von dem Müllwagen. Meine einzige Schutzschicht sind Zeltwände aus Nylon, umspannt von einer Wolldecke sowie einer Plastikplane.

Neben mir im Zelt liegt meine Gastgeberin Perween, tiefschlafend. Fatmas 24-jährige Tochter scheint die Geräusche im Flüchtlingslager an der E 75 gewohnt zu sein. Ich sehe erst auf die Uhr und dann nach draußen. 5 Uhr 38. Der Himmel ist in ein wildes Muster aus Schwarz, Blau und Orange gekleidet. Richtung Thessaloniki geht die Sonne auf. Noch immer brettern Schwerlaster alle paar Minuten an den dünnen Behausungen vorbei. Noch immer liegt der Geruch von verbranntem Plastik in der Luft. Mangels Kohle oder Holz verbrennen einige Leute alles, was sie nicht mehr brauchen: kaputte Schuhe, Papier und Plastikflaschen.
Wenige Stunden später gibt es Frühstück: Duftenden, griechischen Kaffee und Riegel aus Sesam und Honig. In den nächsten Wochen folgen weitere Nächte im Zelt. Ich telefoniere mit diversen Brüdern, Onkeln, einer Ehefrau sowie einem 17-jährigen Sohn und dessen Freundin in Deutschland. Die Familie ist groß, und sie lebt kreuz und quer nördlich der Alpen verteilt. Am Anfang bringe ich alle durcheinander, aber nach und nach kriege ich die Puzzlestücke zusammen. Wochen später kann ich sogar auch unter Perweens Freundinnen unterscheiden, weiß, wer Kusine und wer tatsächlich Freundin ist. Die Familie sind kurdische Syrer. Sie gehört zu der Gruppe der Jesiden, einer religiösen Minderheit, die Elemente des Christentums, des Islams und des Judentum miteinander vereint.
Anders als Fatma und ihr Mann möchte Perween nicht in Deutschland leben, sondern bei ihrem Verlobten in Dänemark. Das junge Paar hat sich neun Monate nicht gesehen. Ich bewundere den Gleichmut, mit dem die 24-Jährige das Warten erträgt. Auch ihre Tante Roushin drei Zelte weiter ist sehr tapfer. Sie harrt mit Mann und Tochter schon seit Monaten in Griechenland aus, während ihr 17-jähriger Sohn seit über einem halben Jahr bei den Großeltern in Deutschland lebt. Natürlich vermissen sie einander. Ich spüre ihre Traurigkeit, auch wenn sie nicht ausgesprochen wird. Seit Die Familie ist wie alle anderen über 50.000 Flüchtlinge in Griechenland gefangen.
Um aus einem der Flüchtlingslagern herauszukommen, müssen die Menschen einen Asylantrag stellen. Doch für diesen Antrag ist momentan eine Terminvereinbarung via Skype nötig. Für arabisch sprechende Flüchtlinge stehen pro Woche nur eine bis zwei Stunden zur Verfügung, um diesen Anruf zu tätigen. Doch das Internet fällt immer wieder aus, die Leitungen sind überlastet oder es hebt niemand ab. Anfang nächsten Monat soll es zusätzlich zu den Skype-Telefonaten persönliche Vor-Registrierungen geben. Die sind aber nur in den neu installierten Militärlagern möglich und und müssen erst einmal in die Gänge kommen. Noch stehen die Pläne dafür nur dem Papier. Und von der Vor-Registrierung über den eigentlichen Asyltermin bis zur tatsächlichen Ausreisevergehen wieder mehrere Monate. Wertvolle Monate. Lebenszeit.
15. bis 21. Mai 2016
Idomeni
Foto Julia Christ
Foto Julia Christ

„Wir wollen ein Leben haben“, sagt Walled, den ich drei Wochen später in Idomeni kennenlerne. Auch er kommt aus Aleppo. Der 25-Jährige lebt ohne Familie in Europas größtem Flüchtlingslager. „Wir wollen arbeiten, in einem Haus leben, eine Familie gründen. Wir sind jung, verstehst du?“ Sein Freund Mohamed, 27, nickt und zieht an seiner Zigarette.

Wir sitzen zu dritt auf einem der durchgesessenen Stühle in Baggelis Taverne, einem Café am Rande des inoffiziellen Flüchtlingslagers. Es gibt Kaffee, versalzenes Omelett und eine defekte Musikbox. Die Taverne ist hauptsächlich von Männern bevölkert. Sie rauchen, laden ihre Handys auf oder spielen Karten. Um mich herum wird nur Arabisch gesprochen. Aus einem Handy tönt pakistanische Musik.
Mohamed spricht mich auf Englisch an. „Are you busy?“, fragt er freundlich. „Was meinst du damit?“ – „Hast du Zeit, dich kurz mit uns zu unterhalten?“ – „Ja. Warum nicht?“ Dann reden wir. Erst eine, dann zwei und schließlich vier Stunden. Mohamed erzählt, wie wütend er ist, seit er erfahren hat, dass Hunde in Griechenland innerhalb von drei Tagen registriert würden und sofort einen offiziellen Pass bekämen. „Sind wir weniger wert als Hunde?“, fragt er, und ich habe keine Antwort.
Mohamed und Waleed berichten von ihren früheren Leben, als sie noch als Informatiker oder als Hotellogistiker gearbeitet haben. Von ihren Vorstellungen von Familie und Liebe. Dass Liebe doch für immer sein sollte. Dass ihnen mittlerweile Kleidung und Geld ausgehen. Dann spendieren sie mir eine Banane, die sie gerade gekauft haben. Die Erzählungen der beiden Männer oszillieren zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Wenn sie von ihrer Wut sprechen, klingt sie sehr moderat.
Weniger moderat ist der Zorn eine Woche später, als die Frustration einiger Menschen in Aggression umschlägt. Ein paar Männer versuchen, mit einem alten Eisenbahnwaggon den Grenzzaun nach Mazedonien zu durchbrechen. Steine und Blendgranaten fliegen durch die Luft. Tränengas strömt über die Felder. Flüchtlinge und freiwillige Helfer, Alte und Kinder rennen weg. Und werden doch vom Gas getroffen. Dani, der als freiwilliger Helfer in Idomeni arbeitet, erzählt später, dass er das Gefühl hatte, sterben zu müssen. Stattdessen erbrach er sich.
Am Tag danach brennen ein paar Zelte. Wer das Feuer gelegt hat, weiß niemand. Vielleicht war es auch eine Blendgranate der Polizei. Dann regnet es wieder einmal. Stundenlang

Mein Gastbeitrag zum Thema Prokrastination auf dem epubliblog

Schreibhain auf der Leipziger Buchmesse
Schreibhain auf der Leipziger Buchmesse

Auf der Leipziger Buchmesse habe ich einen Impulsvortrag über Prokrastination im Schreibprozess gehalten. Da er bei meinen Zuhörer*innen auf Interesse gestoßen ist, könnt Ihr auf dem epubliblog mehr zum Thema lesen:

http://www.epubli.de/blog/prokrastination-schreibprozess

http://www.epubli.de/blog/prokrastination-schreibprozess-tipps

 

Schreibwettbewerb „Oasen der Großstadt“

Plakat-1Im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung (IGA), die 2017 in Berlin-Marzahn stattfinden wird, rufen Teilnehmer der Schreibwerkstatt Marzahn

vom 01. Mai 2016 bis 31. Dezember 2016

zu einem berlinweiten Schreibwettbewerb auf. Junge Menschen zwischen 11 und 29 Jahren können ihre ganz persönliche Oase zum Anlass nehmen, sich mit einem Gedicht oder einem Prosabeitrag an dem Wettbewerb zu beteiligen.

Als Schirmherr wird Kulturstaatssekretär Tim Renner das Projekt begleiten.

In der Jury werden der Autor und Kabarettist Horst Evers sowie Schreibcoach Tanja Steinlechner mitwirken, die für den Gewinner in der Katgorie: Prosa / 17 -29 Jahre,  eine Autorenausbildung zur Verfügung stellt. Weiterhin gibt es E-Book-Reader, Büchergutscheine,Tageskarten für die IGA und signierte Bücher von Horst Evers zu gewinnen.

Teilnahmebedingungen:

  • nur einen Beitrag einsenden
  • drei A4-Seiten
  • Zeilenabstand 1,5
  • Seitenränder 2 cm
  • Schrifttyp „Arial“
  • Schriftgröße 12
  • Einsendungen nur mit Anmeldeformular

Postkarte Rückseite-1

Damit verknüpft ist das Einverständnis zur Veröffentlichung des Textes, eines Autoren-Fotos und einer Kurzbiografie im einem Buch zum Wettbewerb, her

ausgegeben vom Simon-Verlag für Bibliothekswissen. Alle Einsendungen, die es bis in die Wertung geschafft haben, werden in diesem Buch zu finden sein.

Einsendungen nur in deutscher Sprache und nur per E-Mail an:

oasendergrossstadt@gmail.com

Die Preisverleihung unter der Moderation von Horst Evers wird am 29.04.2017 auf dem IGA-Gelände in Berlin-Marzahn stattfinden.

Weitere Informationen: https://oasendergrossstadt.wordpress.com/

Unsere Schreibhainkollegin Julia Christ bloggt live aus Idomeni – Teil II

  1. – 27. April 2016
EKO 25IV rainy day sepia
Fotografin Julia Christ

Polikastro

Die Tage drehen sich wie im Schleudergang. Jeder ist anders. Jede Begegnung birgt eine ungeahnte Wendung mit sich. Im Guten wie im Schlechten. April, April, der macht, was er will, denke ich. Und bin doch immer wieder aufs Neue überrascht.

Gleichzeitig traue ich mich kaum, die Geschehnisse hier in Worte zu fassen. Ich bin überwältigt. Mein Weltbild ist durcheinander gewirbelt. Mein Geschmack von Europa verändert. Bevor ich herkam, hatte ich noch so etwas wie einen Reststolz. Hab mir irgendwas auf Europa eingebildet. Dem Kontinent, dem Verfechter der Menschenrechte, der Demokratie und der Freiheit. Davon ist in diesen Tagen in Idomeni wenig übrig geblieben.

„Wir sterben hier langsam“, sagen viele der Geflüchteten. Seit Ende Februar die griechisch-mazedonische Grenze geschlossen ist, harren bis zum heutigen Tag immer noch knapp 50.000 Flüchtlinge in Griechenland aus. Und kommen nicht weiter. Sie leben in Idomeni, in dem 120-Seelen-Dorf auf Feldern, auf Äckern, an Beingleisen oder in einem ausrangierten Zug. Oder auf Tankstellen direkt an der Autobahn. Dort haben  sie ihre Zelte auf dem bloßen Boden aufgeschlagen. Der Wetter ist unberechenbar. Mittags ist es oft heiß, nachts kalt. Manchmal regnet es. Oder es hagelt. Oder der landestypische Windsturm kommt über die Bergen und zerstört die Zelte.

Als wieder einmal der Windsturm ungnädig Hunderte der dünnen Behausungen plattmacht, schreibt eine der Helferin vom Shelter Team eine SOS-Nachricht: Wir brauchen dringend Unterstützung. Ich melde mich und in dieser Nacht lerne ich viel: Wie ich mit kaum Fahrpraxis ein Auto mit vier Insassen im Stockdunkeln über kurvige Feldwege und Schlaglöcher bugsiere. Wie ich die Heringe der Zelte im richtigen Winkel mit simplem Steinen in den Boden hämmern kann. Und wie leicht es ist sich in ein Team einzufügen und trotzdem das Gefühl zu haben, selten irgendwo wirklich dazuzugehören. Das war schon vorher so. In meinem alten Leben in Berlin. Und jetzt auch hier in Norden Griechenlands, wo ich versuche, mein bisheriges Leben versuche auf „reset“ zu stellen.

Irgendwann in diesen Tagen im April lerne ich eine Rentnerin aus San Francisco kennen. Sie  fühlt sich ein bisschen verloren unter all den unzähligen Gruppen, NGOs und Einzelkämpfern. Wie ich ist auch sie ein „independent volunteer“. Das heißt sie ist nicht fest in eine Organisation oder Gruppe eingebunden. „I am here like a little fish in big fishtank“, sagt sie. Dann bittet sie mich, ihre Freundin zu werden. „I need a friend here.  Would you please be my friend?“

Das hat mir so unvermittelt noch niemand angeboten. Aber ein Hotelzimmer mit mir für eine Nacht zu teilen, das will sie nicht.  Ich bin befremdet. Dachte ich doch bisher, dass Freundschaft langsam wächst. Ebenso wie Liebe. Und dass sie nicht wie ein deus ex machina aus dem Hut springt. Und überhaupt: Was wäre so schlimm daran gewesen, sich über ein kurzes Zusammenleben besser kennenzulernen? Doch nicht so „laid back“, Mrs. California? Ich ärgere mich über sie. Dabei spiegelt sie nur meine eigene Einsamkeit wider, gepaart mit dem Wunsch, frei und unabhängig zu sein. Den klassischen Kampf zwischen Nähe und Distanz.

 

 

  1. April Polikastro

Vor zwei Tagen war ich so frustriert von diesem und jenem hier, dass ich am liebsten meine sieben Sachen gepackt hätte und zurück in mein altes, überaus luxuriöses Leben zurückgekehrt wäre. Ich hätte dann einen auf Touri gemacht, wäre vielleicht nach London, Paris oder Antwerpen gefahren, wäre ins Museum, in ein Konzert oder ins Theater gegangen, hätte eine Yogastunde in einem chicen Studio gemacht, hätte geshoppt. Das wäre toll gewesen. Und doch so leer. Ich bin so froh, diesem Impuls nicht gefolgt zu sein. Stattdessen bin hier geblieben. Es ist gut so, wie es ist…

In den vergangenen Tagen hatten eine Schweizerin und ich individuell Kleidung an einzelne Familien verteilt. In einem kleinen Flüchtlingslager nahe Idomeni auf der Tankstelle EKO Gas Station. Wir kamen mit vielen Menschen aus Syrien ins Gespräch, verständigten uns mal mit Händen und Füssen. Mal mit Google Translate. Mal mit dem englischen Grundwortschatz. Alles lief gut. Bis Sarah abreiste. Ich machte den Job dann allein weiter. Und einen Riesenfehler.

Ich hatte gerade Schuhe und Kleidung einer Großfamilie gebracht, als eine andere Frau auf mich zustürmte. „My friend, my friend“, rief sie mir zu. Diese Anrede ist hier in den Flüchtlingslagern die Standart-Grußformel, mit der alle Volunteers von den Geflüchteten angesprochen werden. Auch von denen, die ansonsten nicht der englischen Sprache mächtig sind. Ich drehe mich zu meiner neuen Freundin um. Sie bittet mich um Sandalen, denn an diesem Tag ist es heiß. „Maybe, I have shoes for you, maybe“, entgegne ich und gehe zum Leihwagen.

Die fremde Freundin folgt mir auf den Fersen. Sarah hatte zuvor aus Spendengelder diverse Flipflops in einem chinesischen Billigladen in Polikastro erstanden. Die Tüte liegt noch im Auto. Ich öffne die Tür, hole die Tüte mit den Schuhen heraus. Noch komme ich mir vor wie der Weihnachtsmann persönlich. Sekunden später nicht  mehr. Die Meute stürzt auf mich zu. Tausend Hände greifen in die Tüte mit vielleicht einem Dutzend Schuhen. Sie schreien und zerreißen die Plastiktasche.

Ich fühle mich wie ein Hundeknochen, der ausgeweidet wird. Ich zittere. Nur am Rande bekomme ich mit, wie zwei Frauen über 50 versuchen, die schreiende Meute zur Ordnung zu rufen. Ich höre einen Jungen auf Englisch sprechen: Sorrry, sorrry. Zu spät. Meine Synapsen springen bereits im Dreieck. Ich presse die kaputte Tüte mit den restlichen Flipflops an meine Brust und will nur noch eins: Wegrennen. Um mein Leben laufen.

Stattdessen gehe ich. Ich entferne mich. Langsam. Viel zu langsam, flüstert mir der Fluchtinstinkt zu. Ich höre mich sprechen: Nein. Nein. So nicht. Eine der beiden Frauen, die die Meute versucht hat zu beruhigen, berührt mich am Arm. Come, coffee, come, sagt sie. Und weist in Richtung eines der Zelte. Ich schüttele den Kopf. No. Sie wiederholt ihr Angebot. Und dann folge ich ihr doch.

Die nächste dreiviertel Stunde läuft wie in Zeitlupe ab. Ich sitze in einem fremden Zelt. Kämpfe immer wieder mit den Tränen. Bekomme von meiner Retterin Taschentücher, Kaffee und Kekse gereicht. Sie heisst Fatma, ist 56 Jahre alt und kommt aus Aleppo. Immer wieder kämpfe ich mit den Tränen. Ein Junge von zirka acht Jahren kommt in ihr Zelt, sieht mich mit großen Augen an. War er mit in der Meute? War er es, der „sorrry“ gerufen hat? Ich weiß es nicht. Dann kommen immer wieder andere Leute. Hauptsächlich Mädchen und Frauen verschiedenen Altes. Die eine ist in meinem Alter, trägt ein Basecap über ihrem schwarzen Pferdeschwanz. Sie alle sehen mich mitfühlend an. Erzählen sich etwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Ich fühle mich fremd, aber in Sicherheit. Irgendwie zuhause. Für einen Augenblick und vielleicht auch noch den nächsten.

Julia Christ

Schreibhainkollegin und Autorin Julia Christ bloggt aus Idomeni

silhouette-251693_1920Als unsere Kollegin Julia Christ mich kontaktierte, um mir mitzuteilen, dass sie in nächster Zeit im Schreibhain ausfallen würde, weil sie plane nach Idomeni zu reisen, um vor Ort zu helfen, ergriffen mich zwei parallele Gefühle: Ich bedauerte meine so liebgewonnenene Dozentin entbehren zu müssen, aber gleichzeitig durchströmte mich große Ruhe und Zufriedenheit. Ich hatte genau die richtigen KollegInnen und AutorInnen um mich; solche die Mut bewiesen und Rückgrat, solche, die hinauszogen, dorthin wo ihre Stimme wesentlich ist, und die uns, den Daheimgebliebenen, Bericht erstatteten. Denn Julia Christ war sofort Feuer und Flamme, als ich sie fragte, ob sie ihre auf der Reise gesammelten Geschichten teilen wolle. Ich schätze mich daher sehr glücklich, Euch teilhaben lassen zu dürfen und bedanke mich bei meiner wundervollen Autorenkollegin dafür, dass es Menschen gibt wie sie, Menschen, die etwas wagen und uns berühren, nicht ausschließlich im und durch ihr Schreiben, aber auch dort.

Hier lest Ihr Julias Aufzeichnungen:
12. April 2016, Im Nachtzug von Belgrad nach Thessaloniki
Noch in Slowenien hat mich ein serbischer Kunsthändler vor dem Balkanzügen gewarnt. Pass auf, sagt er mir an meinem letzten Abend in Ljubljana. Warum, frage ich ihn. Because it’s the Balkan, antwortet er. Ich aber kenne die Balkanstaaten noch nicht und steige in Belgrad in den halbleeren Zug.
Hinter den strahlenförmigen Pylonseilen der Savebrücke geht die Sonne unter. Sie verschwindet in den Tiefen der Ada Ciganlija. Ich rattere in einem rostigen Waggon vorbei an kleinen Dörfern in die Dunkelheit.
Mir fallen die Augen zu, obwohl es erst acht Uhr abends ist. Im Halbschlaf zieht sich Zigarettenrauch aus den Nachbarabteilen wie ein winziger Strick um meine Bronchien und endloses Gequassel von nebenan dröhnt in mein Trommelfell. Es ist immer nur ein Mann, der da über Gott und die Welt zu diskutieren scheint. Er spricht in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Mir ist, als rede er die ganze Nacht hindurch. Wird er denn niemals müde?
Als er endlich still ist, werde ich von einem lauten Klopfen geweckt. Pass control. Es ist kurz nach drei Uhr morgens. Ein Grenzbeamter, der endlose Wortketten wie ein Feuer ausspeit, das ich einfach nicht zu fassen kriege. I am sorry, I only speak English, stammele ich. Er sammelt alle Pässe ein.  Wir bekommen sie erst eine viertel Stunde später wieder zurück. Schlaftrunken klettere ich zurück auf mein Etagenbett. 30 Minuten später das gleiche Spiel auf der anderen Seite der Grenze. Mazedonien. Pass control. Wieder ein unverständliches Wortgewusel. Ein Grenzbeamter leuchtet mein Abteil mit einer Taschenlampe aus. Zehn Minuten später schiebt sich ein Mann in braun-beigem Karojacket und Rollkragenpullover durch den Gang. Anything to declare?  Wieder ein anderer gibt mir nach einer weiteren gefühlten halben Stunde den Reisepass zurück. Kurz nach vier. Auf Wiedarrrsehn, sagt er noch. Ich staune, plötzlich Deutsch zu hören.
13. April, Gevgelija, Idomeni und Thessaloniki
Sieben Uhr morgens, irgendwann kurz nach Sonnenaufgang. Der Zug zieht durch grünen Hügel. Wie aus dem Nichts schießen karge, helle Felsen an meinem Zugfenster vorbei. Wie in den Winnetou-Filmen. Dann wieder Dörfer. In Gevgelija vor der griechischen Grenze müssen wir alle raus. Weiterfahrt mit dem Shuttlebus.
Normalerweise fährt der Zug direkt durch Idomeni. Aber den Ausdruck „normal“ gibt es seit dem einundzwanzigsten Februar dieses Jahres nicht mehr. Mittlerweile leben Tausende von Menschen in kleinen Zelten direkt auf den Bahnsteigen von Idomeni, daneben oder in unmittelbarer Nähe auf den Kieswegen und den Ackerfeldern. Einige leben auch in einem ausrangierten Zug am Bahnhof.
An diesem Tag sehe das noch nicht. Nur eine Landstraße, die an Äckern und grünen Feldern vorbeiführt.
Eine gute Stunden später komme ich im hektischen Gewusel von Thessaloniki an. Es ist laut, sonnig, staubig. Viele Baustellen, Fitnessstudios, Sexshops, Steh-Cafés und unzählige Boutiquen mit chinesischen Billigklamotten. Ich treffe auf vier obdachlose Hunde, die vor dem größten Telekommunikationsladen der Stadt auf der Straße schlafen. Niemand nimmt Notiz von ihnen.
14. April, Thessaloniki und Polykastro
Zurück in Richtung Norden mit dem Überlandbus. Auf dem ersten Busbahnhof treffe ich auf eine Gruppe von fünfzehn Menschen, die mit abgenutzten Rucksäcken und unzähligen Plastiktaschen auf ihre Weiterfahrt warten. Ich stelle mich neben sie und ein schwer definierbares Unbehagen breitet sich in mir aus. Ich weiß nicht, warum. Es sind drei Männer, mehr als ein halbes Duzend Kinder zwischen zwei und fünfzehn Jahren sowie vier Frauen in Kopftüchern und langen, schlabberigen Röcken. Sie sehen ausgelaugt und erschöpft aus, während die frisch geföhnten, sonnenbebrillten Griechinnen in ihren engen Röcken und Pumps an den benachbarten Bussteigen geradezu vor Kraft zu strotzen scheinen. Ein etwa zweijähriges Mädchen aus der Flüchtlingsgruppe sieht mich neugierig an. Mir schießen mir die Tränen in die Augen, aber ich versuche die Kleine anzulächeln. Dann fange den Blick seines Vaters auf. Er lächelt auch. Einfach so.
fence-1078615_192015. April, Idomeni
Einige freiwillige Helfer sind in den  vergangenen Tagen wegen Nichtigkeiten verhaftet worden. Mal ist die Rede von 14, mal von mehr als 25 Volunteers. Zwei mussten allein deshalb die Nacht im Gefängnis verbringen, weil sie Walkie Talkies trugen. Im Herbst soll dann die Gerichtsverhandlung sein. Es reicht auch schon, ein Obstmesser, ein Pfefferspray oder eine leere Bierflasche mitzuführen.
Auch wir werden kontrolliert, als wir mit dem Auto von Polykastro nach Idomeni fahren. Das heißt Pässe zeigen, Rede und Antwort stehen: Wer sind Sie? Woher kommen Sie? Was machen Sie hier? Unsere Fahrerin, eine Estländerin, sagt, sie kenne solche Gepflogenheiten bereits aus ihrem Land. Immerhin seien die griechischen Polizisten noch freundlich.
A pro pos Freundlichkeit. Freundlich sind vor vor allem die Männer und
Frauen im großen Flüchtlingslager in Idomeni, die uns überhaupt nicht kennen, aber uns immer wieder in ihre Zeltlager einladen: „Kommt zu uns. Bitte setzt euch doch.“ Egal, wo wir hinkommen. Der Boden ist staubig, die Gastfreundschaft immens. Sie bewirten uns mit Wasser, Cola und türkischen Kaffee. Es gibt Kekse, Reiscracker und ganze Tüten voller Erdnüsse. Und das von Menschen, die vier bis fünf Stunden Schlange stehen, um einen Teller Suppe oder Reis mit Bohnen zu bekommen.