Schreibwettbewerb um einen Platz als Stipendiat in der Autorenausbildung VI

Am 01. April 2017 startet unsere Autorenausbildung mit dem Jahrgang VI. Ab sofort nehmen wir Eure Bewerbungen entgegen.

Wir vergeben einen Platz an einen Stipendiaten

Auch dieses Mal vergeben wir wieder einen Platz an einen Stipendiaten und loben dafür unseren Schreibwettbewerb aus.

manuskripte-2016-pitching

Schreibwettbewerb

Thema und Genre des Textes überlassen wir Euch. Einzige Einschränkung: Es muss sich um einen belletristischen Text handeln. Bitte schickt uns keine Lyrik, keine Sach- oder Theatertexte, auch keine Essays. Wir können sie leider nicht berücksichtigen. Ob abgeschlossener Text oder Fragment aus einem größeren Projekt spielt hingegen keine Rolle. Zusätzlich zum Wettbewerbstext bitten wir um eine künstlerische Vita.

Maximale Länge: 10 Normseiten.

Einsendeschluss: 10. März 2017.

Bekanntgabe des Gewinnertextes: 17. März 2017

Einreichungen an: Tanja Steinlechner und das Schreibhainteam / kontakt@tanja-steinlechner.de

 

Mit Teilnahme am Wettbewerb erklärt sich der zukünftige Stipendiat bereit, namentlich und mit Foto auf der Schreibhain-Website genannt zu werden.

Sollte wider Erwarten der Jahrgang nicht zustande kommen, erhält der Stipendiat einen Platz im Jahrgang VII (ab Oktober 2017). Der Gegenwert der Autorenausbildung kann nicht in bar ausgezahlt werden. Sollte der Stipendiat anreisen müssen, trägt er die Kosten für seine Unterbringung, die Fahrten und seine Verköstigung.

 

Nach Ablauf des Wettbewerbs informieren wir alle Autoren über das Ergebnis und teilen auch mit, welche Bewerber sich unabhängig vom ersten Preis für die Autorenausbildung qualifiziert haben.

 

Weitere Informationen zur Autorenausbildung im Schreibhain

https://schreibhain.com/weiterbildungfuerautoren/autorenausbildung/

 

Kostenfreier Infoabend zur Autorenausbildung im Schreibhain:

18. Februar 2017 / 19.00 – 20.30 Uhr

Kleine Rosenthaler Straße 2, 10119 Berlin

Wir bitten um Anmeldung unter: kontakt@tanja-steinlechner.de oder telefonisch unter: 0177/ 32 16 298

 

Advertisements

Radioreihe zum Thema: Schreiben in verschiedenen Genres

Logo RadioIn Kooperation mit dem FDA Bayern startet die Autorenschule Schreibhain am 01. August 2016 eine zwölfteilige Reihe mit Radiobeiträgen zum Thema: Schreiben in verschiedenen Genres. Neben einer Einführung in die jeweilige literarische Gattung, gibt es praktische Schreibübungen und Interviews mit Autor*innen und Expert*innen aus der Buchbranche. Die Sendungen sind als Stream auf der Seite des Literaturradio Bayern abrufbar. Zu den einzelnen Beiträgen kommt Ihr auch – wenn Ihr auf den Programmhinweis klickt.

Programmübersicht:

1.August 2016: Unterhaltung oder Literatur? Von Festlegungen, Pseudonymen und der Einordnung auf dem deutschsprachigen Buchmarkt

15. August 2016: Krimi schreiben: Ermittlerfiguren und Spannungsaufbau

19. September 2016: Thriller: Das Spiel mit der Angst

17. Oktober 2016: Liebesromane: Was die Welt im Innersten zusammenhält

21. November 2016: Erotik: Vanilla oder BDSM? Das Kopfkino ankurbeln

19. Dezember 2016: Humor: Warum es hohe Kunst ist, das Publikum zum Lachen zu bringen.

16. Januar 2017: Fantasy: Vom Welten bauen und erfinden

20. Februar 2017: Fantastik: Magischer Realismus

20. März 2017: Kinderbuch: Wie schreibe ich für welche Altersklasse?

17. April 2017: Jugendbuch: Entwicklungsromane schreiben?

15. Mai 2017: Gehobene Unterhaltung: Ein Zitterwesen

19. Juni 2017: Literarische Texte: Form, Sprache und Thema

Liebster Award

liebster_awardRicarda Howe, ihrerseits Autorin und Bloggerin www.schreibsuechtig.de, hat meinen Blog für den Liebster Award nominiert. Der Preis will junge Blogs vernetzen und deren Bekanntkeit steigern. Danke, liebe Ricarda!

Im Rahmen des Liebster Awards beantworte ich Ricardas Fragen und darf im Anschluss daran weitere Blogger nominieren und sie mit meinem Fragekatalog „beschenken“.

 

 1. Wie beginnt Dein perfekter Tag?

Mit einer Erinnerung an wildverwobene Traumbilder von denen ich genau spüre, deren Motive werden mir gleich gestatten, mich zu den Tieferschichten meines Romans oder meiner Erzählung – je nachdem woran ich gerade schreibe – zu graben. Jemand hat mir einen Milchcafé gebrüht, der auch nach dem Duschen noch heiß ist. Der Laptop ist hochgefahren und die Geschichte schreibt sich wie in Trance.

2. Was ist Dein Lieblingsbuch? Warum?

Es gibt derer so viele, eine wirklich schwierige Frage. Auf jeden Fall eines von Haruki Murakami. Ich könnte IQ84 sagen oder Mister Aufziehvogel, beides Romane, deren Bildwelten mich noch heute heimsuchen und meine schriftstellerische Arbeit beeinflussen. Aber wenn ich ganz ehrlich bin, ist mein Lieblingsbuch Kafka am Strand, aus oben genannten Gründen gepaart mit meiner eigenen Geschichte, die ich ja stets – auch als Leser – bei mir trage, unterdessen die Buchstaben auf dem Papier lebendig werden.

3. Wie schreibst Du Deine Blogbeiträge: schnell von der Leber weg oder mit vielen Überarbeitungen?

Im Idealfall: Einen ersten Wurf unbedingt schnell, ohne allzuviel Vorüberlegungen. Dann lasse ich den Text liegen und gönne ihm Reifezeit, bevor ich ihn überarbeite.

Das stimmt nicht immer, aber diese Beschreibung kommt meiner Arbeitsweise nahe. Manchmal gibt es aber auch Tage, da wälze ich Worte, da klingen sie noch nicht wie sie sollen. Bad word days. Mittlerweile habe ich gelernt auch diese Tage zu akzeptieren, sie zumindest hinzunehmen. Sie wollen etwas anderes von mir: spazierengehe, schwimmen, Tango tanzen, küssen, Eindrücke sammeln.

4. Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang? Welche Tageszeit ist Dir die liebste?

Sonnenuntergang. Am liebsten am Meer, den Sternenhimmel über mir. Auch zum Schreiben liebe ich die Nacht. Sie sammelt die Klänge: Stille, buntes Treiben, Schweben. Wer wie ich gerne nachts schreibt, ist herzlich zu einer unserer Langen Schreibnächte im Schreibhain eingeladen.

5. Deine drei wichtigsten Zutaten zum Glück:

Lieben – in allen Facetten.

Schreiben, weil ich dadurch und darin lebe.

Lesen, weil es mir viele Leben schenkt.

6. Was war das Unvernünftigste, was Du je gemacht hast? Würdest Du es wieder tun?

Lieben, gegen alle Möglichkeiten, Realitäten und Wahrscheinlichkeiten. Ich tue es jeden Tag und bereue es nicht.

7. Wenn Du einen Tag jemand anderes sein könntest, wer wärst Du dann gern? Warum?

  • Ein magisches Wesen, etwas, das außerhalb des menschlichen Erfahrungsbereichs liegt. Einer dieser modernen Vampire, getrieben von großer Sehnsucht und erfüllt von Leidenschaft, eine magiebegabte Hexe, ein flugfähiger und denkender Drache?
  • Alternativ ein Mensch, der andere durch seine Kunst entfesselt und Erfahrungshorizonte öffnet. Meine Verehrung gilt Georgette Dee. In diesem Fall, wähle ich also Gedanken, Körper und Seele des großen Bühnenkünstlers.
  • Eine dritte Option: Ein Schrifsteller/ eine Schriftstellerin aus einer anderen Zeit. Berlin in den 1920-ern vielleicht?

8. Du hast ein One-Way-Ticket zum Mars gewonnen. Es gibt kein Zurück. Nimmst Du den Preis an?

Nein, nicht ohne die Möglichkeit der Rückkehr und Kommunikation. Das große Abenteuer reizt mich natürlich, aber der Preis, die ewige Einsamkeit, ist zu hoch.

9. Welches Projekt hast Du Dir für die nächste Zeit vorgenommen?

Ich schreibe an einem literarischen Roman mit dem Arbeitstitel Die Raupe. Es geht um nicht weniger als Erlösung und die Suche nach der Wahrheit.

10. Was wünschst Du Dir zum Geburtstag?

Küsse und rote Rosen, einen wunderbaren Roman, Entspannung, das Rauschen des Meeres und die Sonne auf der Haut. Mit Freunden den Tag ausklingen lassen.

11. Wie endet Dein perfekter Tag?

Auch hier imaginiere ich verschiedene Szenarien gleichzeitig:

  • Leidenschaft, spielt eine Rolle – noch ist es zu früh am Tag, um konkreter zu werden.
  • Besonnen und beseelt: Ich hänge einem Gedanken nach und beobachte den Flug eines Glühwürmchens.
  • Am Meer. Die Füße im noch tagwarmen Sand.
  • Die letzte Seite meines aktuellen Romans ist geschrieben.

tulips-1198276_1920

Ich nominiere:

  1. Jan Teuner: http://peerewju.de
  2. Fabian Baader: https://fabianbader.de/author/schreibader/
  3. Michael Schäfer: http://michaelschaeferasb.wix.com/schreibtischtaeter

 

Meine Fragen an die Nominierten:

  1.  Wie entstehen Deine Texte? Gibst Du uns Einblick in Deine Werkstatt?
  2. Gibt es ein Thema, das Deine Figuren, unabhängig von Deinem Stoff, immer wieder umtreibt?
  3. Warum schreibst Du Romane?
  4. Die Muse hat Dich geküsst – eine Romanidee ist entstanden. Teilst Du einen solchen Moment mit uns?
  5. Gibt es Rituale, die Dich beim Schreiben begleiten?
  6. Wenn Du eine Zeitreise unternehmen könntest, in welche Epoche ginge es für Dich?
  7. Welche Menschen möchtest Du in diesem anderen Zeitalter treffen ?
  8. Du darfst einen Tag mit einem Schriftsteller/ einer Schrifstellerin Deiner Wahl verbringen, wen triffst Du und weshalb?
  9. Eine Fee schenkt Dir eine magische Fähigkeit. Welche suchst Du Dir aus?
  10. Welche Bücher nimmst Du mit in den Urlaub?
  11. Ein Jahr lang schreiben an einem Ort Deiner Wahl. Wohin zieht es Dich?

 

Regeln des Liebster Award

 

  1. Danke der Person, die Dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke ihren Blog in Deinem Artikel.
  2. Beantworte die 11 Fragen, die Dir der Blogger, der Dich nominiert hat, gestellt hat.
  3. Nominiere 2 bis 11 weitere Blogger für den Liebster Award.
  4. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen.
  5. Informiere Deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.
  6. Das Beitragsbild kannst Du optional in deinen Beitrag einfügen.
  7. Schreibe diese Regeln in Deinen Liebster-Award-Blog-Artikel.

 

 

 

 

 

Stipendium für die Autorenausbildung V zu vergeben

Schreibhain_Anzeige.inddFür die Autorenausbildung Jahrgang V, lobt der Berliner Schreibhain ein Stipendium, beginnend ab dem 08.10.2016, aus.

Einzureichen ist bis spätestens 10. September ein eigener und bisher unveröffentlichter Prosatext (3 – max. 15 Normseiten) und eine künstlerische Vita. Bitte seht davon ab Lyrik, Theatertexte oder gar Sachbuchbeiträge zu schicken. Bitte mailt Eure Beiträge elektronisch an: kontakt@tanja-steinlechner.de

Für die Auswahl des Stipendiaten ist die Autorin und Leiterin des Schreibhain Tanja Steinlechner und eine Auswahl des Schreibhainteams verantwortlich.

Der Stipendiat erhält die 18 monatige, berufsbegleitende Autorenausbildung im Schreibhain kostenfrei (Gesamtwert: 4320 EUR). Eine Barauszahlung des Preises ist nicht möglich. Ggf. anfallende Reisekosten nach Berlin, Übernachtung und Spesen übernimmt der Stipendiat.Dieser erklärt sich – mit Einreichung des Textes-  damit einverstanden auf der Schreibhainseite mit Foto veröffentlicht zu werden. Auch in den sozialen Medien (FB, Twitter, etc.) werden wir auf unseren Stipendiaten hinweisen.

Sollte die Autorenausbildung mangels geeigneter Bewerbungen widererwarten nicht zustande kommen, verschiebt sich der Beginn des Stipendiums auf das Frühjahr 2017. Dieses Szenario ist in den letzen vier Ausbildungen bisher nie eingetroffen.

Am 14.September geben wir unseren Stipendiaten bekannt und laden ihn zur Infoveranstaltung am 16.09. um 20.00 Uhr in den Schreibhain nach Berlin ein.

Weitere Informationen zur Autorenausbildung findet Ihr unter:

https://schreibhain.com/weiterbildungfuerautoren/autorenausbildung/

„Ihr müsst euch von morgens bis abends nur anschreien“

glass-11340_1920Ule Hansen bei den Berliner Wühlmäusen – Ein Gastbeitrag vom Schreibhaindozenten und Autor Jordan T. Wegberg

Neuntöter ist einer der spannendsten Thriller, die ich in diesem Jahr gelesen habe – die abgründige Ermittlerin Emma Carow, die rituell inszenierten Morde, die sehr authentisch dargestellte Polizeiarbeit, die Echtzeit-Erzählweise und natürlich der wunderbar liebevoll in Szene gesetzte Schauplatz Berlin haben mich gefesselt und fasziniert.

Als ich daher zufällig entdeckte, dass Ule Hansen – aka Astrid Ule und Eric T. Hansen, also die beiden Autoren des Romans – bei den Berliner Wühlmäusen auftreten würden, war meine Freude groß. Übertroffen wurde sie nur von meiner Enttäuschung beim Blick in den Terminkalender. An diesem Samstag war ich nämlich als Dozent in der Autorenschule Schreibhain eingeteilt.

Wenige Tage später schickte Tanja Steinlechner vom Schreibhain eine Rundmail: Wir hätten die Möglichkeit, zu einem vergünstigten Preis an der Lesung von Ule Hansen teilzunehmen, dürften dafür ausnahmsweise vorzeitig vom Unterricht aufbrechen und könnten den Autoren im Anschluss an die Veranstaltung sogar noch einige Frage stellen … Gemeinsam mit sechs Autorenschüler(innen) aus verschiedenen Ausbildungsjahrgängen nahm ich die Chance nur zu gerne wahr.

Hier lest Ihr weiter auf Jordans Blog: http://tawegberg.blogspot.de/

Literaten lauern auf Lebendmaterial – Literaturcamp 16

Heidelberg ist von der beschaulichen Literaturstadt zur wilden Literaturszene geworden, zumindest am 11. und 12. Juni 2016.

Fotos: Valentin Bachem @creativecommons / #litcamp16
Litcamp-HD-206 von Valentin Bachem | Lizenz: CC-BY 2.0

Von überall strömt die Branche zusammen. Wie ein Fluss das Meer sucht, suchen wir Buchmenschen den Austausch untereinander. Was auf dem Literaturcamp passiert, ist einer Mischung aus hervorragender Organisation im Vorfeld (Danke an Susanne Kasper und ihr Engelteam), Lust am Wagnis, Neues auszuprobieren und der Stimmung zu verdanken, die durch das Dezernat 16 rauscht und auch am späten Abend nicht abebben will.

Das Literaturcamp basiert auf dem Barcampgedanken. Alle Teilnehmer treffen sich auf Augenhöhe, sind gleichzeitig Sessiongeber und Zuhörer. Welche Sessions stattfinden, entscheidet sich vor Ort. Ob Workshop, Impulsvortrag, Diskussion oder eine geleitete Fragerunde zu einem Thema – alles ist dabei. Sogar Katzen und Kinder – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge – und wenig logisch verkettet.

13446023_1007594595945037_1379356798_o
Foto: Jürgen Brückmann
13443975_1007596075944889_1768195959_n
Foto: Jürgen Brückmann

Neben meinem eigenen Mini-Workshop Dein Thema finden & Ideenarchive aufbauen (zum zweiten Teil kommen wir aus Zeitgründen kaum), darf ich als Regisseurin teilhaben an Nina Georges Figurenaufstellung mit Lebendmaterial. Wie herrlich einmal die Rolle wechseln zu dürfen! Denn als Schreibcoach weiß ich natürlich, dass Figuren ein Ziel brauchen und ein Dilemma, das ihnen im Weg steht; dass sie darüberhinaus in Beziehungen verflochten sind und ihre Rollen im Roman Funktionen haben, doch als Autorin wird all jenes Wissen zur Suchbewegung. War nicht vorher noch alles ganz klar? Was passiert, wenn wir mit unserer Geschichte ins Scheinwerferlicht treten? Apropos Scheinwerfer: Wir haben einen Theatersaal für uns, sogar eine kleine Bühne auf deren Stufen jetzt das Publikum sitzt, aus dem ich meine Protagonisten stellen darf. Ich werde schnell fündig: Manuel ist da – mein Manuel, der Archivar und spätere Schriftsteller. Jene Erzählstimme, die bald darauf, in persona verkörpert, auf einem Stuhl steht. Sie kann den Überblick über das Geschehen geben. Da ist auch Lilien, jene hochgewachsene Rothaarige mit den tiefblauen Augen und den Sommersprossen, deren Wahrnehmungsfähigkeiten nach dem Suizid ihrer Mutter erblühen wie Winterrosen. Und Tom? Tom bleibt blass, obwohl er ein klares Ziel verfolgt, nämlich ein Mädchen, das in seinen Träumen ihr Unwesen treibt, zu retten. Dass er nicht an Kontur gewinnt, hat natürlich nichts mit dem armen Darsteller zu tun, der sein Bestes gibt und sich doch überflüssig vorkommt; für den das Setting nicht stimmt. Fünfundzwanzig Minuten darf ich meine Figuren erleben, ihnen zuhören, sie befragen. Am Ende gibt Nina den entscheidenden Hinweis: „Wenn drei Figuren erzählen, trennst du sie auch voneinander.“ Keine Aufforderung, aber ein Satz, der nachwirkt und Wellen schlägt in mir.

Nach dem Stellen ist vor dem Stellen. Ich besuche nicht sofort eine weitere Session, falle stattdessen in einen grünen Samtsessel und zücke Stift und Notizbuch. Wenn Lilien für die Verlusterfahrung steht, dann brauchen die Leser Hoffnung. Und wenn ich die Gesichter meiner Figuren betrachte, weiß ich auch, wer sie verkörpert. Der Stille. Der Beobachtende, der den Lauf der Welt von seiner Warte aus ruhig betrachtet und Gedanken spinnt und Handlungen aus Vorgefundenem. Der gegen den Tod die Erfindung setzt.

Stoff, der mich weitertreiben wird.

Foto: Valentin Bachem @creativcommons Nina George
Litcamp-HD-206 von Valentin Bachem | Lizenz: CC-BY 2.0 Nina George

Der Abend nimmt wieder neue Fahrt auf, als wir über die Warengruppe 483 ins Gespräch kommen, erotische Belletristik und Sachbücher fallen darunter. Mit dabei Nina George, die als Anne West bereits in diesem Segment veröffentlicht hat und uns erzählt, dass auch ihre Bestseller „Stellen“ haben, also Passagen beinhalten, die erotisch sind.

Wir alle haben einen herrlichen Tag hinter uns und mittlerweile bereits das ein oder andere Glas Wein getrunken. Literaturcamps – das sei hier  angemerkt – können herrlich albern sein. Ein Karnevalsverein ist eine sehr trübe Veranstaltung gegen die unsere. Nur Worte – egal welcher Sorte und welchen Klangs – kann ich nach der Nachtsession nicht mehr aussprechen, ohne Bezüge zu finden, die sie gar nicht hergeben. Überdies stellt sich die Diskussionsrunde durchaus ernsthaften Fragen: Was kann erotische Literatur sein und was wünschen wir uns von ihr? Immerhin ist Sexualität ein großer Teil des Lebens – auch unserer Figuren. Manuel sitzt neben mir und sieht mich mit großen Augen an. Er hat recht, er ist eine Denker- und Träumerfigur, seinen Leidenschaften habe ich bisher wenig Raum gegeben.

Jetzt will ich endlich entspannen, Manuel hin – Lilien her. Und so führen wir roséweingeschwängerte Gespräche, die doch wieder tief schürfen, Existenz und Wahrheit, Liebe und Glück streifen, fassen, verlieren und dazu – wie kann es anders sein – Zigaretten.

Da meine liebste Kollegin Susanne dem nächtlichen Treiben in der Altstadt entflohen ist, verbringe ich die Nacht damit, unter den Dächern Heidelbergs, dem Roman einer  jungen Autorin zu lauschen, die genau Jenes schon umgesetzt hat, was wir uns von erotischer Literatur erhoffen. Die Sexualität zwischen dem Abgrund Leben angesiedelt, eine Brücke über den Tod, einen Augenblick Himmel – wenigstens Vergessen. Wer mehr dazu lesen will, findet unter Bordsteinprosa Einsicht ins Schaffen der Literatin.

Foto: Valentin Bachem @creativecommons Der Morgen danach mit Bordsteinprosa und Jasmin Zipperling
Litcamp-HD-206 von Valentin Bachem | Lizenz: CC-BY 2.0 Der Morgen danach mit Bordsteinprosa und Jasmin Zipperling

Ich gestehe, so wenig geschlafen wie in den Heidelberger Tagen habe ich schon lange nicht mehr: Vier Stunden in zwei Nächten, wenn ich großzügig rechne. Der Inspiration tut das keinerlei Abbruch. Dafür werden die Wortungetüme immer größer: Eine Brücke über den Tod… Meine Güte, ich wollte doch nur ein Literaturcamp besuchen.

Selten bin ich derart überrascht worden und nicht zuletzt deshalb hoffe ich auf eine Fortsetzung des Heidelberger Literaturcamp in 2017.

Und weil dies ein Schlusssatz sein könnte und mir Enden schwer fallen, wie allen Campteilnehmern, seien hier noch zwei Anmerkungen hinterhergeschoben:

Foto: Valentin Bachem Selim Özdogan @creativcommons / #litcamp16 /
Litcamp-HD-206 von Valentin Bachem | Lizenz: CC-BY 2.0 Selim Özdogan
  1. Die Session von Selim Özdogan zum Thema Schreibblockaden und Kreativität hat mich nachhaltig beeindruckt. Einem so begabten Autor beim Denken zuzusehen, seinen Schleifen und Schwüngen zu folgen ist – auch außerhalb seines durchaus ernstzunehmenden Rats: „Schreibblockaden gibt es nicht“ – ein Hochgenuss.
  2. Viel zu früh bin ich am Montag mit dem Wissen aufgewacht: Ich habe nur noch zwei Erzähler: Lilien und Manuel. Danke dafür Nina! Sorry, Tom! Du lebst weiter, nur leider nicht als Hauptfigur.

Ule Hansen: Neuntöter

Neuntöter
Neuntöter

Hochspannung und sprachliche Prägnanz

Emma Carow, eine traumatisierte Fallyanalystin, will Abteilungsleiterin werden. Sie konkurriert mit ihrem neuen Kollegen Felix Schreiner um die Beförderung. Aber nicht nur deshalb ist die Aufklärung des jüngsten Falls für sie von großer Bedeutung.

Drei in Panzertape gewickelte Leichen baumeln in schwindelerregender Höhe eines Baugerüsts, das sich als Haus tarnt und die Geschäftigkeit des Potsdamer Platz konterkariert. Grabbeigaben, sogenannte unpassende Objekte, die Anordnung der Leichen und Emmas untrügliches Gespür für die Tatorte legen eine Mordserie nahe. Weitere Opfer könnten noch am Leben sein.

Emmas Erinnerungen drängen an die Oberfläche, denn ihr Peiniger Uwe ist aus der Haft entlassen worden und hat ein Buch geschrieben, in dem er sich öffentlich zu seiner Tat bekennt und Läuterung gelobt. Verdrängte Bilder bannt Emma durch ihre Jagd nach dem Bösen. Eine Aufgabe, die weit über ihren Beruf hinausgeht, genau wie ihre eigenmächtige Ermittlungen im Umfeld von Urbexern, Pädophilen und einer Sekte.

Emma verstrickt sich mehr und mehr in die Aufklärung des Falls, der zur Besessenheit wird über der sie sogar die rar gesäten Vertrauten, ihren Mentor Lutz, ihre Schwester und das Team der „Puppenkiste“, wie sie ihr Büro nennt, zurückweist. So wird sie selbst zum Zielobjekt. Denn was sie übersehen hat: Sie passt hervorragend ins Opferschema.

Neuntöter überzeugt nicht nur durch Hochspannung, eine fesselnde Protagonistin, deren Dilemma und herausragendes Gespür für Serientäter oder etwa durch die Urbexerthematik, sondern auch und vor allem durch die Sprache, die sich die Form des Thrillers zunutze macht. Sätze hämmern, Rhythmen stanzen sich ins Leserbewusstsein, Stakkato wechselt mit verschachteltem Satzbau. Die Lösung scheint auf der Hand zu liegen – zumindest für Emma – und entzieht den Lesern, doch wieder und wieder bis wir nicht mehr entrinnen können. So auf uns selbst zurückgeworfen, bleibt uns nur Hoffnung und Vertrauen, das wir zwischen Halluzination und Traum setzen müssen, wollen wir mit Emma überleben.

Ich empfehle das Debüt des Autorenduos Ule Hansen uneingeschränkt allen Thriller- und Krimifans, die Herausforderungen lieben, die sich nicht abschrecken lassen durch detaillierte Beschreibungen, die solcherlei Könnerschaft als Geschenk betrachten und all Jenen, die sprachliche Prägnanz zu schätzen wissen.

 

Hansen, Ule: Neuntöter. München, 2016.

http://www.randomhouse.de/Paperback/Neuntoeter/Ule-Hansen/e463132.rhd

http://ulehansen.com/